Über mich

Liebe Buchhändlerinnen und Buchhändler, Pressemenschen, Autoren und Freunde, liebe Leserinnen und Leser!

 

Das Gerede von der sich verändernden Welt, zumal unserer Bücherwelt, kann ich nicht mehr hören. Was soll sie denn sonst machen?
Gerne wird in Seminaren erklärt, wir sollten mit der Zeit gehen, die Verlage seien gestrig,
alles wandert ins Netz … Kokolores.


Naturgemäß verfolgen wir Medienarbeiter die Entwicklungen. Und ebenso selbstverständlich
ist es unsere Aufgabe als Vermittler – denn nur das sind wir –, die Inhalte der Autoren in
jeder erdenklichen Form und auf allen Wegen zu den Lesern zu bringen.


Jedoch übersehen die Zukunftsverkäufer diverse Gesichtspunkte:


1. Das Buch ist das einzige wirklich unabhängige Medium. Wir können drucken, was
wir wollen, ohne auf irgend jemanden Rücksicht zu nehmen: Sei’s die Werbung und
die Industrie, irgendwelche Gremien oder Parteien. Auch die öffentliche Meinung
kann uns egal sein. Wo sonst können Autoren ihre ganz persönliche Sicht der Dinge
frei veröffentlichen?
Das gilt für die Entlarvung der „Tibet-Lüge“, die Bestandsaufnahme der Rüstungsindustrie und die Überzeugung von Ex-Staatsanwalt Wille zum Tod der Asylbewerber, aber auch für Respektlosigkeiten wie „Swienkraam“ und „bloße Grüße“ und die schonungslose Offenheit in „Hamburg ganz unten“.


2. Das Buch ist eine Erfindung wie das Rad, der Löffel und die Hose. Wir können
ästhetisch daran werkeln – die Grundidee ist zeitlos. Und nicht verbesserbar.


3. Das Buch landet nicht sofort im Müll wie andere Printmedien oder im Nirwana des
Internets, braucht keinen Strom und hat ökonomisch betrachtet einen sehr hohen
Kosten-Nutzen-Wert. Sogar kleine Auflagen in inhaltlichen Nischen können sich
rechnen.


4. Das Buch wird persönlich ausgewählt aus einer unermesslichen Fülle und ist nicht
zuletzt das tollste Geschenk unter Menschen, die sich schätzen. Bücher welken nicht.


Vito von Eichborn
Timmdorf/Malente, Juni 2016


 

Vita in Stichworten


(Namen lasse ich hier bewusst weg – vor allem zahlreiche mir lieb gewordene Mitarbeiter)

 

Vito von Eichborn, am 7. 12. 1943 in Hundisburg/Magdeburg geboren, aufgewachsen nach der sog. Flucht in Frankfurt, Gutshof Nieder-Olm/Mainz, Internat Plön, Internat Louisenlund, Abitur in Celle, Studium in Hamburg und Köln (abgebrochen).

 

Heirat 66, Geburt des Sohnes Thimon 67.

 

Volontariat 68-70 beim „Göttinger Tageblatt“, 70-71 Redakteur beim „Express“ in Köln, 71-72 Castelldefels/Barcelona, für deutsche Zeitungen schreiben, Deutsch unterrichten, Lampen bauen ....

 

73-80 Lektor im Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt. (Vielerlei Lizenzausgaben, Originalreihen von Märchen bis zum Werkkreis. Am liebsten und lehrreichsten war mir meine Reihe „Mein Lesebuch“, mit Fichte und Böll, von der Grün und Andersch etc.)

 

80 Gründung des Eichborn Verlags 50:50 zusammen mit der Druckerei Fuldaer Verlagsanstalt (FVA).

Der Verlag wuchs schnell. Eher schwer verkäufliche Literatur und Sachbücher aller Art wurden aus Erlösen des bestsellerträchtigen Humor- und Geschenkbuch-Programms finanziert. Das Spektrum reichte von lateinamerikanischen Autoren und der Werkausgabe Richard Brautigan über den ersten Bestseller „Tante Linas Kriegskochbuch“ und Joschka Fischers „Umbau der Industriegesellschaft“ bis zu „Richard von Weizsäcker im Gespräch“.

 

Mit den Erlösen aus dem „Kleinen Arschloch“ von Walter Moers kaufte ich 1989 die „Andere Bibliothek“, die von ihren (genialen) Begründern Franz Greno und Hans Magnus Enzensberger fortgesetzt wurde.

 

Dann übertrieb ich alles, das Programm wucherte, immer neue Reihen entstanden, ich produzierte weit über 200 Novitäten im Jahr. Wir hatten Liquiditätsprobleme. 1993 wollte ich den selbst gemachten Wildwuchs radikal herunterschneiden, ein Downsizing von Titeln, Personal, Kosten – den Verlag: buchstäblich halbieren.

 

Doch dem Partner, der Druckerei, ging es nicht gut, sie lebte inzwischen vom Umsatz durch meine Bücherfluten. Ich hatte aus vielerlei Gründen einen privaten Schuldenberg bei meinem Verlag und bekam, klassische Midlife-Krise mit 50, Altersängste.

 

Kurz gefasst: Ich verkaufte 94 meine Verlagshälfte an den Partner für einen deutlich siebenstelligen Betrag. Der wanderte in die Schuldentilgung, die Steuern und die Steuern auf die Steuern. Das war der Fehler meines Lebens. (Entgegen Gerüchten, das sei nicht freiwillig gewesen – niemand kann einen 50-Prozent-Eigentümer zwingen.) Ich hätte weitermachen sollen.

 

Dann arbeitete ich von einem externen Büro für den Verlag, hielt das aber nicht mehr aus und schied 96 ganz aus.

 

Einschub: Wenig später ging der Verlag an die Börse. Und ein paar Jahre später konkurs. Auch die FVA ging konkurs. Die Andere Bibliothek lebt dankenswerterweise weiter beim Aufbau Verlag. Und der Eichborn Verlag ist ein Imprint der Gruppe Bastei-Lübbe.

 

Ein paar Monate pachtete ich ein Hotel in der Dominikanischen Republik. Doch dann gab ich das auf, als ich 1997 für zwei Jahre Geschäftsführer bei Rotbuch Verlag/Europäische Verlagsanstalt wurde.

 

1999 kaufte ich – im Namen und mit dem Geld der Senator AG – den Europa Verlag, München, und zog ihn nach Hamburg um. Wie immer mit breitem Spektrum – von der Erfolgsreihe „Kindermund“ und die vielbändige Noam-Chomsky-Ausgabe bis Ulrich Wickert „Alles über Paris“.

 

2004 ging Senator konkurs, der Geldhahn wurde zugedreht. Mit einem Partner veranstaltete ich ein Management-Buy-out – doch unsere Altschulden waren zu hoch (so hoch wie der Jahresumsatz). Ich wollte den Verlag sauber abwickeln – mein Partner weitermachen. Ich schied aus. Der Konkurs kam ein Jahr später.

 

Pleiten pflastern meinen Weg? Nö. Stimmt, ein Kaufmann war ich nie – das waren die Partner. Und Risiken habe ich nicht gescheut. Wie ja auch niemand die Andere Bibliothek fortsetzen wollte. (Enzensberger über das Gespräch mit Unseld: „Ich sah in seinen Augen Gier und Geiz.“ Übrigens sind das wichtige Eigenschaften jedes Verlegers.)

Aber seltsam, dass meine Nachfolger als Programm-Macher immer konkurs gingen, wenn ich längst ausgeschieden war.

 

Seither bin ich freischaffend als Herausgeber (sieben Jahre für die „Edition BoD“, lange bei Baumhaus die Reihe „Kindermund“ etc.), freier Lektor, Literaturagent, Autor („Mein Mallorca“, Mare Verlag, „111 Orte zwischen Lübeck und Kiel, die man gesehen haben muss“, Emons Verlag), schreibe Essays für das VW-„Journal der Autostadt“ - und dit und dat.

 

Seit 2007 wohne ich mit meiner Frau und unseren beiden Katzen Willy und Socke in Timmdorf/Malente am See, in den ich von Mai bis Oktober jeden Morgen springe.


Zwischendurch lebte ich zwei Jahre auf Mallorca, wo ich den Verlag Vitolibro gründete, vor allem für Neuausgaben von zu Unrecht vergriffenen Büchern.

 

Die Holsteinische Schweiz ist jetzt, ja, so etwas wie „Heimat“. Und in 2016 erschienen/erscheinen die ersten etwa zwanzig Titel in diesem aktivierten Verlag Vitolibro, der sich besonders auf Regionalia aus Norddeutschland kapriziert.

 

Das Programm? Wie immer: Belletristik und Sachbuch, Geschenkbuch und Humor. Und Plattdüütsch. Auch Kinderbücher. Kurz: Alles, was so richtig Spaß – und Sinn - macht.